Die Laufbahn von Udo Opel begann im Alter von 6 Jahren als Nachbarsjunge der Winzergenossenschaft. Bei einem spritzigen Riesling Sekt zu seinem 30-jährigen Jubiläum als Geschäftsführer sprach unser Roter Bur mit ihm über seinen Werdegang und die Herausforderungen bei der Führung und Weiterentwicklung unserer Winzergenossenschaft.


Udo, ich gratuliere zu drei Jahrzehnten Engagement als Geschäftsführer in meiner WeinResidenz. Wie ist nach so vielen Jahren deine persönliche Bindung zum Betrieb?
Sehr eng und sehr persönlich. Schon immer herrschte in unserer kleinen Winzergenossenschaft, übrigens eine der kleinsten in Baden, eine familiäre Atmosphäre.

Aber mal Hand aufs Herz: Wir kennen uns doch schon viel länger als 30 Jahre, oder?
Ja, ich habe mich schon als Nachbarsjunge gerne auf dem Gelände der Winzergenossenschaft aufgehalten. Da gab es jede Menge zu entdecken: Maschinen, Traktoren, Stapler – Dinge, die einen Jungen eben interessieren. Auf Zuruf durfte ich oft mithelfen und meine Neugierde führte mich so manches Mal auch in den Weinkeller. Nach meinem ersten Schülerjob in der Winzergenossenschaft stand mein Entschluss fest, Weinküfer zu werden. Heute nennt man diesen Beruf Weinönologe. Dieser ist zuständig für den Prozess der Weinherstellung – also von der Analyse und dem Weinausbau im Keller über die Abfüllung bis zur Verkostung. 1980 begann ich meine Ausbildung beim deutschen Weinbauinstitut in Freiburg.

Du hast bei uns aber nie als Weinküfer gearbeitet, oder?
Das stimmt. Nach meiner Ausbildung war ich 3 Jahre in einer privaten Weinkellerei am Bodensee verantwortlich für den Keller und den Weinbau. Familiäre Gründe brachten mich 1986 zurück in die Glottertäler Heimat und zufällig war gerade eine Stelle im Vertrieb frei geworden. Parallel machte ich berufsbegleitend noch meine Prüfung als Kellermeister. Die Arbeit im Vertrieb machte mir aber so viel Freude, dass ich mich entschied, diesen Weg weiterzugehen. 1990 wurde ich dann zum Geschäftsführer bestellt und 1991 zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Der Vorstand, der Aufsichtsrat und die Mitglieder haben mir großes Vertrauen geschenkt. Heute ist das gar nicht mehr üblich, dass beide Positionen von derselben Person besetzt werden. Aber die Verantwortungsbereiche sind auch gewachsen.


Welche Ambitionen hattest du für die Winzergenossenschaft?
Mein Wunsch war, den Weinverkauf für Endverbraucher – auch vor Ort – deutlich anzukurbeln und auch die lokale Gastronomie mehr einzubinden. Jeder, der seinen Urlaub hier machte, sollte einen Karton Glottertäler mit nach Hause nehmen. Wichtig war mir auch ein innovatives Produktmanagement. 1989 waren wir eine der ersten Winzergenossenschaften mit eigener Sektherstellung. 1994 modernisierten wir das CI, um auch im Marketing besser dazustehen. Dazu kam die Entwicklung von Events in Verbindung mit der Gastronomie vor Ort, zum Beispiel das Kulturevent „Glottertäler Weinbühne.“


Was hat sich nach deiner Einschätzung in den vielen Jahren generell verändert?
Der Geschmack der Weinliebhaber hat sich verfeinert und weiterentwickelt. Man trinkt heute lieber weniger, hat dafür aber einen höheren Anspruch an die Qualität. Für mich ist das ein Ansporn, dass wir noch besser werden.

Was waren deine größten Herausforderungen, wenn du auf die Jahre zurückblickst?
Der Umbau 2003/2004. Das war eine hohe Investition und ein ambitioniertes Projekt. Damals haben wir unseren großen Verkaufsraum geschaffen, die Produktionsfläche deutlich erweitert und unsere Prozesse optimiert. Im Rückblick war das die richtige Entscheidung für den Betrieb. Eine besondere Herausforderung war auch der Relaunch 2017. Wir haben die Marke geschärft und deinen Namen, lieber Roter Bur, als Markennamen aus der Taufe gehoben. Da gab es am Anfang viel Diskussion. Aber unser neues Erscheinungsbild schafft Differenzierung und Wiedererkennung. Und es kommt gut an. Aus heutiger Sicht war es eine grundlegend wichtige und richtige Entscheidung, um den Betrieb für die Zukunft auszurichten und marktfähig zu bleiben. Es vergeht nahezu kein Monat, wo uns nicht jemand dazu gratuliert. Gerade jetzt in der Pandemie zahlt sich der damals gewagte Schritt ganz besonders aus.


Sag mal, Udo. Worauf bist du denn heute ganz besonders stolz?
Dass man mir in meinen jungen Jahren so viel Vertrauen entgegengebracht hat, dass wir gemeinsam den Betrieb nach vorne gebracht haben und dieser jetzt für die Zukunft so gut dasteht.


Was ist heute deine Vision für die Glottertäler Winzer?
Dass die positive Entwicklung so weiter geht und unsere 22 Glottertäler Jungwinzer, die heute schon neuen Schwung in unsere Arbeit bringen, dieses wertvolle Kulturgut weiter hegen und pflegen. Vor allem, dass wir es schaffen, unsere Jahrhunderte alte Kulturlandschschaft im Glottertal für uns und unsere Gäste zu erhalten. Und natürlich, dass wir auch in Zukunft guten Glottertäler Wein trinken werden, der auch in Pandemiezeiten als Impfstoff gegen Trübsal geeignet ist.


Danke, Udo für dein großes Engagement und dieses spannende Interview.