Klimaveränderungen stellen das traditionelle Winzerhandwerk vor neue Herausforderungen. Das extreme Klima bescherte den Winzern in zahlreichen Weinregionen Mitteleuropas kein einfaches Jahr. Das gilt auch für unsere Winzer im Glottertal. Angesichts der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal sind wir jedoch dankbar, dass es die Naturgewalten trotzdem immer noch gut mit uns meinen. Dennoch rechnen auch wir mit einem Ernteausfall von 30 % – 40 %. Erfahren Sie hier mehr über die aktuelle Entwicklung der Reben und unsere innovativen Antworten auf die Herausforderungen im Weinbau.

Nach den vergangenen drei warmen und trockenen Jahren machen unseren Glottertäler Winzern Frostschäden und vor allem die große Feuchtigkeit zu schaffen. Im Frühjahr haben die späten Fröste und niedrigen Temperaturen den Rebstöcken zugesetzt – große Teile der jungen Triebe sind erfroren. Je nach Weinlage bedeutete dies Ausfälle von 30 % – 80 %. Neben den jungen Rebanlagen hat es unsere Steillage Roter Bur besonders getroffen. Einen Teil des Ausfalls konnten die Rebstöcke aus eigener Kraft kompensieren. Weniger Triebe bedeuten allerdings weniger Trauben, weniger Menge und damit weniger Ertrag. Das wiederum hat auch einen positiven Effekt: Der geringere Traubenertrag steigert den Wert des Weines – ganz im Sinne der Qualitäts-Philosophie unseres Roten Bur.
Bei einem Großteil der verbliebenen Pflanzen beklagen unsere Winzer einen starken Pilzbefall infolge der hohen Niederschläge und anhaltenden Feuchtigkeit. Die Pilzkrankheit Peronospora – im Volksmund Falscher Mehltau – befällt zunächst die Blätter. Gelangen die Sporen auch an Blüten oder Trauben, schrumpfen diese in sich zusammen, färben sich blau-schwarz und trocknen aus. Der Falsche Mehltau wurde im 19. Jahrhundert aus den USA nach Europa eingeschleppt und auch heute noch lassen sich unsere traditionellen Rebsorten nicht wirksam gegen diese Krankheit schützen. In Jahren wie diesem mit einem nahezu tropenähnlichen Klima, findet täglich neuer Pilzbefall statt.
Seit Neuestem arbeiten unsere Glottertäler Winzer an einer innovativen Antwort auf das Risiko von Pilzbefall: Sie lautet PIWIs – das sind PIlzWIderstandsfähige Rebsorten
aus Kreuzungen zwischen Vitis vinifera und anderen Arten der Gattung Vitis. Die Neuzüchtungen kombinieren die Eigenschaften für hohe Weinqualität der Edelreben mit der Widerstandsfähigkeit aus den amerikanischen Reben – und das ganz frei von Gentechnik. Damit setzen sie neue Trends im Weinbau – denn sie sind von Natur aus gegen verschiedene Krankheiten immun und somit auch vor dem Falschen Mehltau geschützt. Durch gezielte Züchtung und Selektion entstehen so innovative Rebsorten, die es ermöglichen, den Weinbau nachhaltiger zu gestalten und die zukünftigen Herausforderungen im Weinberg zu bewältigen. Zwar bevorzugen viele Menschen heute noch die altbekannten Rebsorten, doch Experten unter den Weinkennern lassen sich auch neue, raffiniert ausgebaute PIWI-Weine gerne schmecken. Bei uns im Glottertal werden auf rund 4 % der Anbaufläche bereits verschiedene PIWI-Sorten angebaut: Regent, Cabernet Mitos, Acolon, Cabernet Dorsa, Cabernet Cortis, Monarch und Piroso. Im kommenden Frühjahr möchten unsere Winzer außerdem noch Souvignier Gris pflanzen. Noch gibt es bei uns keine rein ausgebauten PIWI-Weine, aber wir arbeiten daran, die neuen Sorten zu guten Glottertäler Tropfen zu entwickeln. Weingenießer dürfen also gespannt sein. Erst einmal können Sie sich aber auf den nächsten guten Jahrgang freuen. Denn angesichts der klimatischen Herausforderungen lässt sich sagen, dass unsere Reben durch Frost und Pilzbefall eine natürliche Selektion erlebt haben, die hervorragende Qualitäten im Weinglas verspricht.